Projektmanagement-Guide

Die Grundlagen der Agilen Methode

Einleitung

Unter agilen Methoden sind Projektmanagement-Konzepte erfasst, die Projektmanager vor allem dabei unterstützen sollen, Produkte flexibler, effizienter und schneller auf den Markt zu bringen. „Agil“ bezieht sich auf die Fähigkeit, schnell und direkt zu handeln. Projektteams können sich also mit einem agilen Ansatz schneller und einfacher auf neue Umstände und Gegebenheiten einstellen als mit anderen Projektmanagement-Methoden. 

Inzwischen weisen nicht wenige Projekte verschiedenste unbekannte Parameter auf, die eine klassische Projektmanagement-Methodik aber nur unzureichend aufgreifen kann. Mit ihr wäre es schwierig, die Anforderungen adäquat zu dokumentieren und während des Projekts an Änderungen anzupassen. 

Dieser Guide vermittelt Ihnen die Grundlagen agiler Methoden und hilft Ihnen, Projekte für einen agilen Ansatz zu qualifizieren und mit seiner Hilfe umzusetzen.

Was ist die Agile Methode?

Die „agile Methode“ als Projektmanagement-Modell basiert auf 4 Leitsätzen und 12 Prinzipien für die Organisation von Projekten. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die agile Methode mit allen wichtigen Informationen.

Die 4 Leitsätze sind im „Manifesto for Agile Software Development“ beschrieben und beruhen auf diesen Werten:

  1. Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Tools
  2. Funktionsfähige Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation
  3. Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als Vertragsverhandlung
  4. Reagieren auf Veränderungen ist wichtiger als die Befolgung eines Plans

Grundlegend basiert die agile Methode auf dem Konzept, dass Projektplanung und -durchführung in kontinuierlichen Wellen oder „Sprints“ erfolgen. Dabei können Plan, Umfang und Design während des Projekts fortlaufend angepasst und optimiert werden. 

Agile Projekte erfordern zudem einen iterativen Ansatz, der eine kontinuierliche Übergabe funktionsfähiger Produkte in Einzelschritten an den Kunden unterstützt. Dieser innovative Ansatz gewährleistet, dass ein Projektteam regelmäßig konkrete Produktinhalte liefern kann, ohne durch Änderungen und sich neue Anforderungen aufgehalten zu werden.  

Die agile Methode sieht zudem eine starke Einbeziehung des Kunden und häufige Fortschrittsprüfungen mit Projektteam und Kunden vor. 

Zur Durchführung eines agilen Projekts existieren diverse Rahmenwerke. Einige der beliebtesten sind etwa:

  • Scrum
  • Kanban
  • Extremprogrammierung
  • DSDM

In diesem Video wird die agile Methode in unter 5 Minuten näher erläutert.

Die Geschichte der Agilen Methode

Je nach Quelle liegen die Ursprünge agiler Methoden in den 1990er Jahren, im Jahr 1975 oder sogar schon in den 1960ern. Einig sind sich alle Quellen jedoch darin, dass der agile Ansatz erst dank dem 2001 veröffentlichten „Manifesto for Agile Software Development“ richtig Fuß fassen konnte. 

Mit dem Agile Manifesto wurde im Februar 2001 ein neuer Ansatz für die Software-Entwicklung festgeschrieben. Er war das Ergebnis einer Klausurtagung in Utah, bei der eine Gruppe führender Entwickler zusammenkam, um einige spezifische Branchenprobleme und mögliche Antworten zu erörtern. 

Den Teilnehmern war klar, dass in der Software-Branche eine bessere Lösung für schnellere Produkteinführungen benötigt wurde. Sie suchten also nach neuen Methoden, mit denen sich Produkt- und Projektänderungen würden umsetzen lassen, ohne in der Folge Budgets zu belasten und Produktionszyklen zu verlängern.

Man sah die Lösung darin, Projekte in kürzere Iterationen aufzuteilen. Diese Iterationen, so schlussfolgerte man, könnten dann einfach und schnell entwickelt und getestet, von Kunden geprüft und entsprechend geändert werden, ohne auf das fertige Endprodukt warten zu müssen. Hieraus entstand letztlich die agile Methode für Software-Entwicklung.

Auch wenn das Agile Manifesto eigentlich speziell für den Software-Kontext konzipiert wurde, findet die agile Methode heute im Rahmen von Projekten in verschiedensten Branchen und Unternehmen Anwendung. 

Die 12 Agile-Prinzipien

Im Manifesto for Agile Software Development sind 12 agile Prinzipien für alle Projekte beschrieben: 

  1. Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufriedenzustellen.
    Dem ersten Prinzip der agilen Methode zufolge sollen Kunden nicht nur ein Produkt am Ende des Projekts erhalten, sondern Projektergebnisse bzw. Iterationen in regelmäßigen Intervallen während des Projektverlaufs.  
  2. Anforderungsänderungen werden selbst spät in der Entwicklung begrüßt. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden. 
    Ein Kernproblem beim klassischen Projektmanagement für die Autoren des Manifests war die Umsetzung von kundenseitig in letzter Minute angeforderten Änderungen. Mit diesem Prinzip soll daher gewährleistet sein, dass sich agile Projekte mit minimalen Verzögerungen an jedweder Änderungen anpassen können, auch wenn sie erst sehr spät erfolgen. 
  3. Wir liefern funktionierende Software regelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate, wobei kürzere Zeitspannen bevorzugt werden.
    Pläne für agile Projekte enthalten viele kurze Projektzeitleisten, die eine schnelle Umsetzung funktionsfähiger Produkte ermöglichen. Oft werden agile Projekte in ein- bis vierwöchige Sprints oder Projektintervalle unterteilt, wobei am Ende jeweils ein Produkt geliefert wird.  
  4. Fachexperten und Entwickler müssen während des Projekts täglich zusammenarbeiten. 
    Dieses agile Prinzip besagt, dass die regelmäßige Kommunikation mit allen Stakeholdern entscheidend für den Erfolg des Projekts ist. Normalerweise wird daher täglich ein kurzes Meeting mit dem Projektteam und anderen wichtigen Stakeholdern abgehalten.  
  5. Projekte werden rund um motivierte Individuen aufgebaut. Wir geben ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen, und vertrauen darauf, dass sie die Aufgaben erledigen.
    Ein zentrales Konzept des agilen Projektmanagements ist es, den richtigen Projektteilnehmern die richtigen Positionen zuzuweisen und sie mit der notwendigen Autonomie auszustatten, um gute Arbeit leisten zu können. Es ist wichtig, ein Projektteam auf Grundlage der Kompetenzen zusammenzustellen, nicht der Ränge oder Titel im Unternehmen. Der Projektmanager sollte sich darauf konzentrieren, das Projektteam zu motivieren und zu unterstützen, Micromanagement ist nicht erwünscht.
  6. Die effizienteste und effektivste Methode für den Informationsaustausch im Entwicklungsteam ist ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. 
    Die Autoren des Agile Manifesto hielten es für sehr wichtig, dass Teams und Stakeholder nach Möglichkeit am gleichen Standort arbeiten, um die Vorteile direkter persönlicher Kommunikation gegenüber anderen Methoden wie E-Mail oder Telefon nutzen zu können. Falls dies für Ihr Team nicht möglich ist, sind Videokonferenzen die beste Alternative, da hierbei etwa auch nonverbale Kommunikation übermittelt wird.   
  7. Funktionierende Software ist das wichtigste Fortschrittsmaß.
    Bei der agilen Methode liegt der Schwerpunkt darauf, abgeschlossene, funktionsfähige Ergebnisse abzuliefern. Dies sollte immer Vorrang vor nebensächlichen Anforderungen wie der Projektdokumentation haben. Auch andere Kennzahlen wie Arbeitsstunden oder Zeitdauer gelten als sekundär gegenüber funktionierenden Produkten. 
  8. Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten auf unbestimmte Zeit ein gleichmäßiges Tempo halten können. 
    Laut diesem Prinzip sollte das Tempo bei jedem iterativen Zyklus oder Sprint eines agilen Projekts gleich bleiben. Diese Arbeitsaufteilung soll Überstunden und Überlastungsphasen im Zeitplan verhindern und die regelmäßige Ausgabe funktionsfähiger Produkte sicherstellen. Ebenso soll hieraus ein wiederholbarer Zyklus entstehen, der kontinuierlich so lange wie nötig befolgt werden kann. 
  9. Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design fördert Agilität.
    Bei einem agilen Projekt sollte der Hauptfokus darauf liegen, das Endprodukt zu optimieren und beständige Fortschritte im Laufe der Zeit zu erzielen. Anders formuliert: Jede Iteration sollte immer eine Verbesserung gegenüber der vorherigen darstellen, neue Innovationen konstant geprüft werden. 
  10. Einfachheit – die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren – ist essenziell.
    Das Ziel eines agilen Projekts besteht darin, gerade genug zu tun, um das angeforderte Projekt erfolgreich abzuschließen und die vorgegebenen Spezifikationen zu erfüllen. Jedweder Dokumentation, Schritte, Prozesse oder Arbeiten, die keinen Mehrwert für den Kunden schaffen oder die Projektergebnisse nicht verbessern, sollten vermieden oder eliminiert werden. 
  11. Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe entstehen in selbstorganisierten Teams.
    Die agile Methode basiert auf der Überzeugung, dass motivierte, autonome und kompetente Teams nötig sind, um die besten Ergebnisse und Produkte zu erzielen. Sie sollten die Befugnis haben, sich selbst nach Bedarf zu organisieren und zu strukturieren. Sie sollten frei und selbstbestimmt zusammenarbeiten und Innovationen auf den Weg bringen können, ohne durch übermäßige Kontrolle aufgehalten oder eingeschränkt zu werden. 
  12. In regelmäßigen Abständen erörtert das Team, wie es effektiver werden kann, und passt sein Vorgehen entsprechend an. 
    Ein erfolgreiches, intrinsisch motiviertes Team muss gezielt darüber nachdenken, wie es die eigenen Kompetenzen und Prozesse optimieren kann, um ständig zu wachsen und Verbesserungen zu erzielen. Das Team sollte die eigenen Leistungen und Ergebnisse regelmäßig überprüfen und unter anderem besprechen, wie es sich in Zukunft noch besser aufstellen kann. 


Die Vorteile von agilem Projektmanagement

Agiles Projektmanagement bringt zahlreiche Vorteile mit sich, insbesondere im Kontext der folgenden Unternehmenscharakteristika und Projekte:

  • Alle Projekte, die sich im Laufe der Zeit verändern oder für die zu Beginn Rahmen und Anforderungen noch nicht klar definiert sind.
  • Unternehmen, die in einem schnelllebigen Umfeld tätig sind, zum Beispiel in der Technologiebranche. 
  • Unternehmen, die während eines Projekts eng mit Kunden und anderen externen Partnern zusammenarbeiten.
  • Unternehmen, bei denen Prozess- und Produktoptimierungen sowie Innovation einen hohen Stellenwert genießen. 
  • Projekte mit vielen voneinander abhängigen Aufgaben, bei denen das Team eng zusammenarbeiten und sich häufig austauschen muss. 
  • Unternehmen, die einen Prototyp erarbeiten müssen, bevor überhaupt abschließende Projektergebnisse realisierbar sind. 
  • Projekte, bei denen dynamisches Feedback von Stakeholdern zu jeder Produktiteration benötigt wird, bevor mit der nächsten Version bzw. dem nächsten Entwurf fortgefahren werden kann.

Die 5 größten Vorteile agiler Methoden:

Lückenloser Kontakt mit dem Kunden

Bei den klassischen Projektmanagement-Methoden tauschte sich das Projektteam im Allgemeinen nur am Anfang und am Ende mit dem Kunden aus. Wurden aber dessen Anforderungen oder Erwartungen zu Beginn nicht richtig erfasst oder änderten sie sich im Laufe der Zeit, stellte sich dies erst heraus, als es schon zu spät war. Beim agilen Projektmanagement hingegen findet dieser Austausch lückenlos statt, und anhand der regelmäßigen Iterationen können alle Beteiligten prüfen, ob sich das Projekt auf dem richtigen Weg befindet und das Endprodukt genau den Kundenanforderungen entspricht.  

Anpassungsfähigkeit 

Was, wenn Sie mitten im Projekt vom Kunden erfahren, dass sich einige Details ändern? Mit einem klassischen Projektmanagement-Ansatz kann dies entweder überhaupt nicht berücksichtigt werden oder es führt zu deutlich höheren Projektkosten und erheblichen Verzögerungen. Im Rahmen einer agilen Methode lassen sich Änderungen dagegen in jeder Phase des Projekts mit minimalem Aufwand umsetzen, indem sie einfach der nächsten Iteration hinzugefügt werden.   

Schnellere Produktverfügbarkeit

Ein Kerncredo der agilen Methode findet sich in der kontinuierlichen Entwicklung – Ihr Team liefert also stets funktionsfähige Produkte ab. Ihr Kunde muss somit nicht mehr 6 bis 12 Monate oder gar noch länger auf das Endprodukt warten, sondern erhält in viel kürzeren Intervallen (typischerweise alle 2 bis 4 Wochen) eine funktionsfähige Version. 

Geringere Projektrisiken

Da Ihre Produktversionen regelmäßig aktualisiert werden und Kundenfeedback schon frühzeitig zur Verfügung steht, sind die Erfolgsaussichten für Ihr Projekt auch ungleich höher. Wird ein umfangreiches Projekt in Iterationen aufgeteilt, beschränken sich etwaige Risiken auch auf eine Iteration oder einen Entwurf. So finden Sie früh auch kleine Probleme, die sich rasch beheben lassen, und werden nicht erst in den letzten Testläufen von einem viel größeren überwältigt. Sollten Sie eine Problemstellung identifizieren oder das Projekt abbrechen müssen, haben Sie bis dahin auch weniger Zeit und Geld investiert. 

Innovation als Konstante

Die agile Methode ist Zusammenarbeit und kontinuierlicher Verbesserung direkt förderlich, diese wiederum stützen Innovationspotenzial und somit neue Produkte und Funktionen. Arbeiten Teams am gleichen Ort und können so täglich Meetings abhalten, schafft dies Raum für Brainstorming und Ideen. Die agile Methode unterstützt eine Art Ideen-Meritokratie, bei der sich die beste Idee unabhängig davon durchsetzt, von wem sie stammt. Das Projektteam, seine Stakeholder und der Kunde können so Funktionen und Merkmale gemeinsam als Einheit entwickeln. 

Wann sollte man die agile Projektmanagement-Methode nicht anwenden?

Auch wenn die agile Methode zahlreiche Vorteile mit sich bringt, eignet sie sich nicht für jedes Projekt und Unternehmen. Im Folgenden betrachten wir wichtige Beispiele dafür, wann das agile Projektmanagement nicht eingesetzt werden sollte, sowie seine dabei spezifischen Nachteile.

4 Fälle, in denen die agile Entwicklungsmethode nicht die beste Option ist:

Das Ergebnis Ihres Projekts steht fest und ist genau definiert. 

Das Ziel des agilen Ansatzes besteht darin, die Kosten von Änderungen und Unklarheiten in einem Projekt zu reduzieren, indem es in iterative Phasen aufgeteilt wird. Bei Projekten mit wenig Unklarheit und geringer Wahrscheinlichkeit von Änderungen ist die agile Methode so womöglich nicht der effektivste Ansatz. Wenn Sie zum Beispiel in einer Branche mit strikten Vorschriften arbeiten oder die Projektanforderungen bereits kennen, sind iterative Planung und zahlreiche Entwürfe unnötig.   

Ziel Ihres Projekts ist ein wiederholbares Arbeitsergebnis. 

Bei einem Projekt handelt es sich definitionsgemäß um „ein temporäres Unterfangen mit einem Anfang und einem Ende zur Bereitstellung eines einzigartigen Produkts, Services oder Ergebnisses“. Doch wie sieht es aus, wenn ein Kunde Sie damit beauftragt, fünf identische Häuser zu bauen, und Sie beschließen, für jedes Haus ein eigenes Projekt mit zugehörigem Team einzusetzen? Mit dem agilen Ansatz kann es passieren, dass so entgegen der Vorgabe fünf sehr unterschiedliche Häuser entstehen. Ein Nachteil agiler Methoden ist, dass sie nicht auf Wiederholbarkeit ausgelegt sind. 

Ihr Kunde möchte keine agile Methode anwenden.  

Bei einem agilen Projekt müssen Sie in ständigem Kontakt mit Ihrem Endkunden stehen. Nicht jeder hat jedoch notwendigerweise die für einen gewinnbringenden Austausch erforderliche Zeit, Qualifikation oder Motivation. Verbindet ein Kunde ein Projekt mit einem eher geringen Wert oder einem geringen Risiko, zieht er womöglich eine klassische Methode vor, bei der er nur in wichtigen Phasen oder bei der Abschlusslieferung eingebunden ist. 

Ihr Unternehmen kann keine agilen Methoden unterstützen.  

Wenn Ihr Unternehmen oder Ihr Projektteam für einen agilen Entwicklungszyklus schlicht noch nicht bereit sind, entstehen dadurch nur zusätzliche Risiken. 

5 Indikatoren, dass Ihr Unternehmen nicht für die agile Methode bereit ist:

  1. Es besteht zu viel Unwissenheit hinsichtlich der agilen Methode. Mangelt es Ihrem Team und Unternehmen zu sehr an Kenntnissen der agilen Methode und ihrer Prinzipien, Verfahren und Rahmenwerke, dann sind sie nicht für ihre Anwendung bereit. 
  2. Wichtige Stakeholder verweigern die Unterstützung. Ganz gleich, ob es sich um einen einflussreichen Fürsprecher des Projekts oder ein zentrales Teammitglied handelt – steht jemand nicht hinter der agilen Arbeitsweise, dann müssen Sie dieses Problem lösen, bevor Sie die Methode erfolgreich einsetzen können. 
  3. Täglicher Austausch ist im Unternehmenskontext nicht möglich. Gibt es erhebliche Hindernisse für tägliche Kommunikation und offene Zusammenarbeit zwischen den Teammitgliedern, ist die agile Methode vermutlich nicht der beste Ansatz. 
  4. Die Unternehmensstruktur eignet sich nicht für bereichsübergreifende Teams. Bei einem agilen Projekt müssen Mitarbeiter aus unterschiedlichen Funktionsbereichen während der gesamten Dauer des Projekts zusammentreffen, kommunizieren und kooperieren können. Besteht in Ihrem Unternehmen eine starke Kluft zwischen einzelnen Fachbereichen, ist die agile Methode wahrscheinlich keine realistische Option.  
  5. Ihr Unternehmen benötigt umfassende Dokumentation. Sind in Ihrem Unternehmen umfassende Dokumentation und detaillierte Testberichte vonnöten, kann die agile Methode zu hohe Kosten verursachen. Im Rahmen der 12 Prinzipien einer agilen Arbeitsweise sollen derartige Inhalte und so etwa auch Projektberichte und Traceability-Matrizen im Anforderungsmanagement eigentlich reduziert werden.


Agile vs. Scrum

Die agile Methode beschreibt Best Practices für die Organisation von Projekten anhand von 4 Leitsätzen und 12 Prinzipien der agilen Software-Entwicklung, niedergeschrieben im Agile Manifesto. Vielleicht sind Sie schon einmal auf Vergleiche zwischen der agilen Arbeitsweise und Scrum gestoßen. Laut Definition ist Scrum „ein Rahmenwerk für das Projektmanagement, dessen Schwerpunkt auf Teamarbeit, Verantwortlichkeit und iterativen Fortschritten auf dem Weg zu einem gut definierten Ziel liegt“. Anders formuliert: Scrum bzw. Agile Scrum ist ein Rahmenwerk für die Anwendung der agilen Prinzipien, Leitsätze und Best Practices.  

Zum besseren Verständnis können Sie Scrum als eine Richtlinie dafür betrachten, wie der agile Ansatz beim Projektmanagement einzusetzen ist. Scrum liefert also die Regeln, Rollen, Ereignisse, Tools und Artefakte, die für eine erfolgreiche Umsetzung der agilen Arbeitsweise nötig sind. 

Der Hauptunterschied zwischen der agilen Methode und Scrum ist folgender: Die agile Arbeitsweise ist der Prozess, den Sie erreichen möchten, und Scrum das Instrument, mit dem Sie den Erfolg des Prozesses gewährleisten können. Oft werden „Scrum“ und „agil“ als Synonyme verwendet, da Scrum das beliebteste Rahmenwerk für die agile Arbeitsweise ist. Es gibt aber auch andere Rahmenwerke für die Planung und Durchführung agiler Projekte. 

Agile vs. Wasserfallmodell

Das agile Projektmanagement und das Wasserfall-Projektmanagement sind zwei der beliebtesten Methoden für die Organisation von Projekten. Wenn Sie sich überlegen, wie Sie Ihr nächstes Projekt planen und durchführen wollen, werden Sie wahrscheinlich zuerst den agilen Ansatz und die Wasserfallmethode miteinander vergleichen, um zu bestimmen, was sich besser eignet. 

Die Wasserfallmethode ist ein eher traditioneller Projektmanagement-Ansatz mit einem linearen Projektverlauf. Am besten passt sie zu eindeutig definierten Projekten, bei denen es bereits zu Beginn klar umrissene Zeitleisten und spezifische Leistungsvorgaben gibt. Anders gesagt: Wenn die wichtigsten Rahmenbedingungen für Ihr Projekt gut dokumentiert sind, ist die Wasserfallmethode wahrscheinlich die beste Option. 

Die Unterschiede zwischen agilem Projektmanagement und der Wasserfallmethode verdeutlichen weiter die zentralen Grundsätze der letzterer: 

  • Erfassung aller Anforderungen im Voraus
  • Erledigung aller Arbeiten in strukturierten, sequenziellen, vorab festgelegten Phasen 
  • Durchführung von Tests erst nach Abschluss der Produktentwicklung oder -konstruktion

Die agile Methode wurde im Gegensatz dazu für Projekte entwickelt, bei denen die Rahmenbedingungen nicht klar sind.

Wie bereits erwähnt, ist die agile Methode definitionsgemäß ein iterativer Ansatz, der auf Flexibilität ausgelegt ist. Sie ermöglicht die Ausrichtung eines Projekts auf Phasen bzw. „Sprints“, damit sich Ihr Plan weiterentwickeln kann, während das Projekt voranschreitet und weitere Informationen verfügbar werden. 

Die Entscheidung zwischen Wasserfall-Projektmanagement und agiler Methode sollte letztendlich davon abhängen, wie ausgereift Ihr Endprodukt ist und wie viel Sie in der Anfangsphase des Projekts über Ergebnisse und Anforderungen wissen.

Weitere Ressourcen zum Thema Agile

Im Folgenden finden Sie einige weiterführende Ressourcen zur agilen Methode und ihrer erfolgreichen Anwendung:

blog post

Agiles Marketing: Modewort oder Top-Strategie für schnell arbeitende Marketingteams?

blog post

Wie agiles Projektmanagement dabei hilft, ihre größten Herausforderungen im Marketing zu meistern