Viele Unternehmen, einschließlich einiger der größten IT- und Netzwerk-Giganten wie Google und Facebook, haben einmal klein angefangen. Zumeist beginnt alles mit einer engverbundenen Kerngruppe, deren Mitglieder die gleichen Leidenschaften und Ziele teilen. Nach ein paar Jahren harter Arbeit, Schweiß und Mühe sowie etwas Glück kann dieses familiäre Team zu einer großen Truppe anschwellen. Und obwohl dies im Allgemeinen das Gütesiegel echten Erfolgs darstellt, stehen diejenigen, die Teams innerhalb dieser wachstumsstarken Unternehmen leiten, einer ganzen Reihe neuer Herausforderungen gegenüber.

Wachstum erfordert Achtsamkeit

Genauso wichtig wie schnelles Wachstum ist es, so zu skalieren, dass die durch das Wachstum entstehenden Herausforderungen gelöst werden.

Laut einer von Clear Company durchgeführten Studie sind 97% der Arbeitnehmer und Führungskräfte der Meinung, dass sich gute Abstimmung innerhalb eines Teams auf das Ergebnis einer Aufgabe oder eines Projekts auswirkt. Wenn Sie also zu schnell neue Teammitglieder einbringen, gefährden Sie vielleicht sogar Ihre Projekte, weil es zu Beginn besonders viel Zeit in Anspruch nimmt, Ihr Team einheitlich auszurichten.

Sie müssen verstehen, welche Art von Mitarbeitern Sie wirklich benötigen, um Ihr Unternehmen seinen übergeordneten Zielen näher zu bringen. Am besten beginnen Sie mit einem Personalbedarfsplan.

"Wenn ein Unternehmen wächst, muss seine Personalkapazität mithalten", sagt Mary Karamanos, Senior Vize-Präsidentin der Personalabteilung der BDC - Business Development Bank of Canada. "Ein Expansionsplan kann leicht entgleisen, wenn die richtigen Personen nicht die richtigen Posten innehaben, nicht ausreichend geschult sind und noch nicht dazu bereit sind, Ihre neuen Verantwortungen zu übernehmen."

Das Aussehen eines solches Plans variiert je nach Unternehmen. Er sollte jedoch Einzelheiten über Positionen und Verantwortlichkeiten, einen Einstellungs-Zeitplan, eine organisatorische Darstellung des Unternehmens, Stellenbeschreibungen und Informationen über Ihre Planung enthalten, wie Sie neue Mitarbeiter anwerben, binden und fördern möchten.

So leiten Sie ein stetig wachsendes Team

Bei einem schnell expandierenden Unternehmen können Sie nicht mehr die gleichen Management-Techniken anwenden, wie zu der Zeit als sich Ihr gesamtes Team noch eine einzige Pizza teilen konnte.

Hier nun fünf wichtige Tipps, wie Sie ein wachsendes Team erfolgreich leiten und organisieren können - und das ohne Stress, Drama oder Chaos.

1. Vertrauen Sie Ihren Teamleitern

"Wenn wir davon sprechen, dass ein Teamleiter ein 'großes Team' mit 100 oder mehr Mitarbeitern leitet, dann führt dieser eine Teamleiter in Wirklichkeit eine Handvoll unterstellter Teamleiter an, denen wiederum andere Teamleiter unterstellt sind", erklärt Steve Nguyen, Ph.D., Berater für Mitarbeiterführung und Talentförderung sowie Eigentümer und Gründer von WorkplacePsychology.net.

Der Schlüssel zum Erfolg besteht jedoch nicht nur darin, diese Personen zu identifizieren, sondern darin, ihnen ein Gefühl der Autonomie zu verleihen und sie dazu zu befähigen, ihre eigenen Schiffe zu steuern. Sie müssen ihnen das Vertrauen schenken, dass sie Entscheidungen treffen und ihre eigenen Untergebenen anleiten können, ohne dass Sie ihnen ständig im Nacken sitzen. Verwechseln Sie Micromanagement nicht mit einem aktiven Führungsstil.

Letzten Endes, so lauten die Ergebnisse einer vom Journal of Experimental Psychology durchgeführten Studie, sinkt das Leistungsniveau von Mitarbeitern, wenn sie sich überwacht fühlen.

Sehen Sie sich Charles Hazlewoods nachfolgenden 19-minütigen TED-Talk an. Er spricht über die Leitung eines Orchesters und darüber, Vertrauen in Ihr Musikerensemble zu setzen, dass es seine Arbeit unter Ihrer Anleitung bewältigen kann:

2. Legen Sie klare Prozesse fest

Bei fortlaufendem Wachstum können Sie nicht mehr mit jedem einzelnen Mitglied Ihres Teams eng zusammenarbeiten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie über etablierte, gut dokumentierte Prozesse verfügen.

Dies ist vor allem wichtig, wenn Sie Mitarbeiter für bereits vorhandene Positionen einstellen, z.B. weitere Vertriebsmitarbeiter hinzufügen, da es wahrscheinlich spezielle Aufgaben gibt, die auf eine bestimmte Art und Weise erledigt werden müssen.

"Ein Verfahren können Sie sich wie eine Autokarte vorstellen, auf der die Einzelheiten der Fahrt hervorgehoben sind, um zu verhindern, dass eine Person sich verfährt oder von dem akzeptablen Weg abweicht, den das Management-Team des Unternehmens vorgibt", erklärt ein Blogbeitrag der Pacific Crest Group.

Hier einige Tipps:

  • Beteiligen Sie Teammitglieder, die diese bestimmte Position bereits innehaben, an der Dokumentierung ihrer Verfahren. Involvieren Sie sie in den Prozess, um mögliche Spannungen zu lindern. Erarbeiten Sie gemeinsam Prozesse, die ganz allgemein ein einheitliches Vorgehen ermöglichen.
  • Richten Sie Systeme ein, die eine gute Kommunikation und übergreifendes Arbeitsmanagement ermöglichen. Mit einem Projektmanagement-System (z.B. Wrike) können Sie diese Prozesse an einem zentralen Ort speichern und die Kommunikation im Team optimieren. Fakt ist, 87% der leistungsstarken Unternehmen nutzen eine Projektmanagement-Software.

Der grundlegende Punkt hierbei ist Folgender: Je proaktiver Sie bei der Entwicklung hilfreicher Systeme, organisierter Strukturen und dokumentierter Arbeitsabläufe vorgehen, desto einfacher verläuft das Wachstum Ihres Teams.

3. Verurteilen Sie keine Hierarchien

Vielen von uns schaudert es bei dem Gedanken an dieses Wort. Es hört sich starr und förmlich an. Und ja, Sie haben Recht, als Ihr Team noch nur aus ein paar Leuten bestand, brauchten Sie wahrscheinlich kein detailliertes Organigramm. Aber jetzt wo Ihr Unternehmen immer größer wird?

"Sie müssen Ihre natürliche Abscheu vor Hierarchie überwinden und damit beginnen, Ihre Fähigkeit, jedes einzelne Teammitglied zu kennen, durch organisatorische und betriebliche Prozesse zu ersetzen", sagt George Bradt in einem Artikel für Forbes.

Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • Erstens stellt es klar, wem Mitarbeiter unterstellt sind und wer bei Entscheidungen das letzte Wort hat.
  • Außerdem zeigt es Mitarbeitern, die sich in Ihrem wachsenden Team um eine Beförderung bemühen, klare Aufstiegsmöglichkeiten auf.

Vielleicht sind Sie der Meinung, dass eine förmliche Hierarchie die Moral der Mitarbeiter zerstören wird. Eine Studie der Stanford Graduate School of Business sagt aus, dass Mitarbeiter hierarchische Beziehungen tatsächlich gleichberechtigten Beziehungen vorziehen, da sie leichter wahrgenommen und im Sinn behalten werden können.

4. Vergessen Sie nicht, Anerkennung zu zollen

Bei kleineren Teams fällt es im Allgemeinen leichter, Erfolg zu belohnen. Dies ist ein weiteres Erschwernis bei einem expandierenden Team.

Anerkennung zollen macht nicht nur Spaß, es hat auch erhebliche Auswirkungen auf Ihre Mitarbeiter. Laut einer Gallup-Umfrage sagen Mitarbeiter, die sich nicht angemessen gewürdigt fühlen, doppelt so oft aus, dass sie innerhalb des nächsten Jahres ihren Arbeitsplatz kündigen werden.

Es ist äußerst wichtig, ein System vorliegen zu haben, mit dem Sie Teammitglieder, die großartige Arbeit leisten, belohnen und würdigen können. Hierbei kann es sich um so etwas Einfaches wie eine Glückwunsch-E-Mail handeln. Oder es könnte ein Event sein, das das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt, wie ein monatlicher Betriebsausflug, bei dem große Leistungen verkündet und gefeiert werden.

5. Fördern Sie die Unternehmenskultur

Die Unternehmenskultur spielt eine wichtige Rolle. Die gemeldete Fluktuationsrate bei Unternehmen mit einer schlechten Unternehmenskultur liegt bei 48%. Bei Unternehmen mit einer guten Unternehmenskultur liegt sie nur bei 14%.

Wenn Sie schnell wachsen, kann die Unternehmenskultur leicht verwässert werden, es sei denn, sie wird angemessen hervorgehoben. Hier nun einige Strategien:

  1. Einstellen für die Unternehmenskultur. Einstellen passend zur Unternehmenskultur ist ein wichtiger Bestandteil des achtsamen Wachsens. Wenn Sie bei Einstellungsentscheidungen die Kernwerte Ihres Unternehmens im Kopf behalten, werden Sie leichter jemanden finden, der gut zu Ihrem Unternehmen passt, was allen Mitarbeitern überflüssige Reibungen und Spannungen erspart.
  2. An Traditionen festhalten. Die vorhandenen (und heißgeliebten) Traditionen Ihres Teams sollten beibehalten werden, auch wenn sie an die größer werdende Gruppe angepasst werden müssen. Ob es die wöchentliche Pizza oder die alljährliche Unternehmensolympiade ist, das Beibehalten von Ritualen stärkt Ihre Unternehmensidentität und das Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn Sie neue Teammitglieder willkommen heißen.
  3. Betreuung ist wichtig. Neue Zugänge können mit einem erfahrenen Mitarbeiter (ob aus der gleichen oder einer anderen Abteilung) zusammengesetzt werden, der sie einarbeitet und in die ungeschriebenen Gesetze Ihrer Unternehmenskultur einweiht. Eine Studie bei Sun Microsystems, die durch das Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner durchgeführt wurde, beschäftigte sich genauer mit dem Mentoring-Programm des Unternehmens und fand heraus, dass die Bindungsrate bei Mitarbeitern, die betreut wurden, viel höher lag - bei 72%, um genau zu sein - als bei den anderen. Bei denen, die nicht an dem Mentoring-Programm teilnahmen, lag die Bindungsrate nur bei 49%, was beweist, dass diese "Partnervermittlung" einen großen Unterschied ausmacht.

Mit Widerstand gegen Veränderungen umgehen

Werden neue Mitglieder in Boot geholt, kann sich dies oft auf die Dynamik des gesamten Teams auswirken und nachvollziehbare Bedenken auf Seiten der Kernmitglieder zur Folge haben.

"Jedes Mal, wenn Veränderungen erforderlich sind, müssen Sie mit Störungen und Widerstand rechnen", sagt Nguyen.

Viele empfinden den Zuwachs von neuen Mitgliedern als Gefahr für ihre Gruppennormen: die Traditionen, Verhaltensstandards und ungeschriebenen Gesetze, die die Funktionsweise des Teams bestimmen.

"In einem Team stimmen vielleicht alle überein, dass es besser ist, Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg zu gehen, statt sie auszutragen; ein anderes Team entwickelt ein Umfeld, in dem zu dynamischen Diskussionen ermuntert und Gruppendenken verschmäht wird", erklärt Charles Duhigg, Autor von Smarter Faster Better in einem Beitrag für die New York Times.

Wie können Sie solche Reibungspunkte glätten und einen positiven Wachstumsverlauf nehmen? In ihrem Buch Managing Change, aus der Pocket Mentor-Reihe, führt Professor Dr. Linda Hill der Harvard Business School vier Überzeugungen an, zu denen die Mitglieder eines Teams gelangen müssen, um für Wachstum tatsächlich offen zu sein:

  1. Sie müssen davon überzeugt sein, dass Veränderung (in diesem Fall das Wachstum des Teams) die richtige Vorgehensweise ist.
  2. Die Person, die bei der Veränderung die Führung übernimmt, muss den Respekt des Teams genießen.
  3. Das Team muss verstehen, welche neuen Möglichkeiten und Herausforderungen aus der Veränderung hervorgehen und sich darauf vorbereiten.
  4. Das Team muss in die Planung und Durchführung der Veränderungsbemühungen involviert werden.

Beziehen Sie Ihr Team so in den Wachstumsprozess mit ein, dass Sie hinter die oben genannten Punkte ein Häkchen setzen können, dann wird der ganze Prozess sicherlich erheblich problemloser ablaufen.

Abschließende Überlegungen

Eigentlich ist ein wachsendes Team ein hervorragendes Zeichen dafür, dass es einem Unternehmen gut geht. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass dies das Management und die Mitarbeiterführung ein wenig komplizierter macht.

Wenn Ihr Unternehmen wächst, muss sich Ihr Führungsstil Seite an Seite mit dem Wachstum weiterentwickeln. Zu lernen, wie man ein expandierendes Team organisiert, ist nicht immer ganz einfach, und auf dem Weg dahin wird man zwangsweise immer mal wieder an Wachstumsschmerzen leiden.

Wenn Sie jedoch stets daran denken, dass Wachstum Achtsamkeit und eine effektive Kommunikation erfordert, dann sind Sie auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.


Biografie der Autorin:
Kat Boogaard (@kat_boogaard) ist Autorin bei Midwest und schreibt über Themen wie Karriere, Selbstentwicklung und Freelancer. Außerdem ist sie Kolumnistin bei Inc.com, schreibt für The Muse, ist Karriere-Redakteurin bei The Everygirl und ist überall im Web mit ihren Beiträgen vertreten.


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