Biografie des Autors:
Kat Boogaard (@kat_boogaard) kommt aus den USA und schreibt über Themen wie Karriere, Selbstentwicklung und Freelancer. Außerdem ist sie Kolumnistin für Themen rund um Unternehmen bei The Muse, Karriere-Redakteurin bei The Everygirl und man kann weitere Beiträge von ihr überall im Internet finden.

Ihr Wecker klingelt jeden Morgen um 7:15 Uhr. Automatisch schnellt Ihre Hand unter der Bettdecke hervor und drückt genau einmal auf die viel zu verführerische Snooze-Taste. Wenn der Wecker schließlich ein zweites Mal Sturm klingelt, greifen Sie nach Ihrem Smartphone und überprüfen verschlafen die E-Mails und raffen sich dann endgültig auf, endlich aufzustehen und sich für den Tag fertig zu machen. Sie brühen einen Kaffee auf, schnappen sich eine Banane und gehen los.

Jeden Morgen dieselbe Routine. Tatsächlich ist die Routine dermaßen eingespielt, dass Sie sich sicher sind, dass sie das Ganze blind über die Bühne bringen würden. Außerdem sind Sie vollkommen davon überzeugt, dass die Routine gut für Sie ist. Schließlich beginnen Sie jeden Tag mit einem ausgeklügelten und effizienten Ablauf, nicht wahr?

Richtig — zumindest teilweise. Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir brauchen Routinen für so ziemlich alles — eine morgendliche Routine, eine Mittagessen-Routine, eine Routine für den Abend, eine Routine für das Schlafengehen und sogar Routinen für das Wochenende. Die Berechenbarkeit von positiven Routinen (beachten Sie das Wort „positiv“) kann eine beruhigende Wirkung haben und uns sogar helfen, größere Ziele zu erreichen.

Aber können Routinen auch ein Hindernis für uns sein? Machen Sie möglicherweise Dinge nur so — egal ob sie von Nutzen sind oder nicht?

Die Antwort auf diese Frage ist kurz und bündig: Ja. In diesen Fällen tut Ihre geliebte Routine Ihnen gar nicht gut. Werfen wir eine Blick darauf, warum wir vorhersehbare Abläufe bevorzugen, zusammen mit einigen der Vorteile, die es bringt, Ihre Gewohnheiten ab und zu auf den Kopf zu stellen.

Calvin und Hobbes über Routinen
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Warum brauchen wir Routine?

„Viele Menschen fühlen sich besser, wenn sie den Tagesablauf vorhersehen können und Routinen helfen ihnen dabei“ erklärt Andy Molinsky, Professor für Organisationsverhalten an der International Business School der Universität Brandeis.

Wenn man es näher betrachtet, ist das genau der Grund, warum wir uns gerne auf diese Gewohnheiten verlassen. Das Leben kann uns jederzeit unangenehme Überraschungen bereiten, im beruflichen oder privaten Bereich. Ein System auf das man sich verlassen kann und das uns täglich hilft, alles Unbekannte mit einem mehr oder weniger strategischen Ansatz zu bewältigen, kann sehr beruhigend sein.

Auch bei den vielen Entscheidungen, die wir täglich treffen müssen, können Routinen sehr nützlich sein, um Decision Fatigue (Entscheidungsmüdigkeit) vorzubeugen. „Unser Gehirn verbraucht dieselbe Kraft für die Entscheidung, ob man ein weißes oder ein rotes Kleid anziehen sollte, wie für eine Entscheidung über eine lebensrettende Operation,“ teilt uns Brigid Schulte mit, Autorin von Overwhelmed: How to Work, Love and Play When No One Has the Time und Direktorin des Better Life Lab bei New America. „Routine und geregelte Abläufe können uns helfen, Willenskraft zu sparen, indem wird den Entscheidungsprozess komplett vermeiden.“

Decision Fatigue-Diagramm
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Wenn Routinen zum Hindernis werden

Also ist Routine etwas Gutes - eindeutig und einfach, nicht wahr? Allerdings sollten wir keine voreiligen Schlüsse ziehen. Leider ist es nicht so einfach.

Eine Routine, die uns systematisch hilft, ein langfristiges Ziel zu erreichen, ist zwar vorteilhaft für uns, aber allzu oft werden wir dazu verleitet, Dinge einfach aus Gewohnheit zu tun, ohne dass es nützlich ist. Schulte erklärt, “Forschungen haben bewiesen, dass wir uns an bekannte Dinge klammern, nur weil sie uns vertraut sind, auch wenn es langfristig gesehen nicht unbedingt gut für uns ist. Dieses Phänomen wird „status quo bias“ genannt.“

Molinsky erklärt diesen Punkt mit einer Geschichte aus dem Buch Mindfulness von Ellen Langer, das von einer Familie handelt, deren Mitglieder über Generationen als Koch arbeiten — und nach dem traditionellen Familienrezept — immer die Enden des Schmorbratens abschnitten, bevor Sie es in den Topf legten.

„Erst als ein Freund der Familie sich über diesen eigenartigen Brauch erkundigte, fing die Familie an nachzuforschen,“ sagt Molinsky. Nach intensiver Recherche stellte sich heraus, dass der Erfinder des Rezeptes die Enden vor über 50 Jahren nur deshalb abschnitt, weil der Schmorbraten nicht ganz in den Topf passte... „Ich liebe diese Geschichte, weil Sie den Kernpunkt einer sinnlosen Routine erfasst,“ fügt Molinsky hinzu.

 

Es ist wichtig, zu bedenken — auch wenn viele Abläufe einen positiven Zweck haben können — dass Routinen nicht unbedingt von Natur aus gut sein müssen. Selbst Routinen, die Sie generell als positiv betrachten, können ab und zu von äußeren Anregungen und einem „Wachrütteln“ profitieren.

4 Vorteile eines Ausbruchs aus der Routine

So angsteinjagend und unlogisch es auch scheinen mag, Sie können viel erreichen, wenn Sie einige Ihrer Routinen sabotieren. Vor allem gilt das für die Arbeit.

Von absolutem Fokus bis hin zu besserem Erinnerungsvermögen werden nachstehend einige der wichtigsten Vorteile aufgeführt, von denen Sie profitieren können, wenn Sie sich von Vorhersehbarem fern halten und Ihren Arbeitsablauf ändern.

1. Mehr Fokus

Trotz unserer guten Vorsätze können wir alle im Laufe des Tages leicht abgelenkt werden. Sie haben vor, sich in Ihre Arbeit zu vertiefen, aber stattdessen vertiefen Sie sich in die sozialen Medien und gehen online shoppen.

Seien Sie jetzt nicht zu hart zu sich selbst, weil Sie meinen, dass ein Goldfisch eine längere Aufmerksamkeitsspanne hat als Sie. Es gibt einen guten Grund, warum ihnen so etwas passiert: Wir sind quasi programmiert so zu handeln.

Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass unser Gehirn laufend auf der Suche nach Neuem ist und leicht von allem abgelenkt wird, was neu erscheint,“ teilt uns Schulte mit. Deswegen ist es sehr hilfreich, die Routine mal so richtig durchzuschütteln — dadurch werden die Neuheiten erzeugt, die Ihr Gehirn konstant sucht, und Sie können sich mit viel Engagement auf Ihre Aufgabe konzentrieren.

2. Verbessertes Gedächtnis

Viele denken, dass Routinen vorteilhaft für unser Gedächtnis sind. Nach dem Motto: Wenn wir einen geregelten Ablauf verfolgen, reduzieren wir das Risiko, Kleinigkeiten zu vergessen.

Allerdings haben Studien bewiesen, dass Abwechslung tatsächlich das Gedächtnis fördert. (Zum Beispiel: Außerhalb des Büros Mittagessen zu gehen, anstatt die Mahlzeit vor dem Computer zu essen.)

„Wenn wir den Ort wechseln — an verschiedenen Orten arbeiten, einen Spaziergang in der Mittagspause machen, mal auf einem anderen Weg zur Arbeit gehen — stimuliert das unseren Hippocampus, in dem sich unser Langzeitgedächtnis befindet,“ erklärt Schulte. „So erinnern wir uns an unser Leben mit intensiveren Gefühlen und Verbindungen. “

Das Hippocampus unseres Gehirns
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Benedict Carey, Autor von How We Learn trifft den Nagel auf den Kopf in seiner Darlegung: „Indem Sie Ihr Arbeitsumfeld und Ihre täglichen Bewegungen und Gewohnheiten ändern — z. B auf anderen Wegen zur Arbeit gehen — können Sie die Effizienz Ihres Gehirns steigern, mehr Informationen im Gedächtnis behalten und erfolgreicher sein.“

3. Mehr Kreativität

Sie kennen das Gefühl allzu gut: Sie sitzen vor dem Computerbildschirm und starren seit einiger Zeit, die Ihnen wie ein halbe Ewigkeit vorkommt, den blinkenden Mauszeiger an. Sie sind sich bewusst, dass Sie noch haufenweise Arbeit erledigen müssen, aber die Kreativität scheint in die Mittagspause gegangen zu sein. Sie stehen auf, machen eine kurze Pause, setzen sich wieder hin und auf einmal kommt Wind in die Segel und Sie erledigen das Projekt reibungslos.

Verstehen Sie das nicht falsch: Das war kein Glücksfall. Das Beispiel veranschaulicht die Vorteile, ein wenig Flexibilität in Ihre Routine einzubringen.

Wenn Sie bereit sind, sich etwas von Ihren Standard-Arbeitsabläufen zu entfernen, trainieren Sie die Neuroplastizität Ihres Gehirns. Dieses wichtig klingende, extravagante Wort heißt eigentlich nichts anders als, dass Sie Ihr Gehirn darin trainieren, eine Verbindung zwischen verschiedenen Gedanken herzustellen — was sich fördernd auf Ihre Kreativität und Ihre Fähigkeiten zur Problemlösung auswirkt.

Neuroplastizität bedeutet die Fähigkeit des Gehirns Punkte zu verbinden, zu stärken
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Unser Gedächtnis ist assoziativ, was bedeutet, dass die Verbindung unterschiedlicher Informationen auf dem Verhältnis, das zwischen ihnen besteht, basiert. Je höher die „neuronale Plastizität“ ist, umso kreativer werden unsere Gedanken und Verbindungen.

Auch wenn es sehr verleitend ist, sich auf Ihre Routine zu verlassen, ist es doch wesentlich ratsamer, etwas komplett Neues auszuprobieren, wenn Sie etwas Kreatives in Angriff nehmen.

4. Zeit zum Überdenken

Lassen Sie uns kurz noch einmal zum Schmorbraten-Beispiel zurückkommen, das wunderbar darstellt, dass wir uns dermaßen auf unsere Gewohnheiten verlassen, dass wir nicht einmal bemerken, wenn etwas schon längst nicht mehr vorteilhaft für uns ist. Wir schalten ohne weiteres auf Autopilot.

Einer der größten Vorteile — der beinahe unbemerkt bleibt — wenn Sie Routinen ändern, ist, dass Sie sich selber etwas Zeit zum Überlegen genehmigen. Was funktioniert gut? Was funktioniert nicht so gut? Was bringt Sie Ihrem Ziel näher und was machen Sie, um Ihr Ziel zu erreichen? Auf welche Art und Weise können Sie Ihren Tagesablauf zweckmäßiger und besser gestalten?

Ihre vertraute Routine kann sich schnell in ein Hamsterrad verwandeln. Sie laufen und laufen, ohne einen Schritt zurückzutreten, um sich bewusst zu werden, dass Sie nicht vom Fleck kommen. Indem Sie mal auf „Pause“ drücken und Ihre Gewohnheiten mit der Lupe untersuchen, können Sie Verbesserungen hinzufügen und sich effektiver und effizienter vorwärts bewegen.

Änderungen vornehmen

Von unseren bekannten und geliebten Routinen wegzukommen ist leichter gesagt als getan — tätsächlich fühlt man sich dabei etwas untreu. Allerdings ist es höchstwahrscheinlich notwendig, wenn Sie wachsen und vorwärts kommen möchten.

Außerdem ist Ihnen das Konzept von Veränderungen gar nicht so fremd, wie Sie vielleicht denken. „Wenn Sie darüber nachdenken, gehen Sie schon Ihr Leben lang immer wieder raus aus der Routine“ sagt Molinsky abschließend. „Ihre Routine bestand darin zu krabbeln, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt beschlossen Sie zu laufen. Um zu wachsen, lernen und uns zu entwickeln müssen wir alle bestimmte Aspekte unserer Routinen ändern.

Heute ist ein guter Tag, um den Autopilot abzustellen und uns mit einigen kleinen Schritte von unserem sicheren, vorhersehbaren Ablauf, auf den wir uns normalerweise verlassen, zu distanzieren. Es wird Sie sicherlich überraschen, wie gut es Ihnen tun wird!

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